«Ich denke, es wird Tränen geben.» Dieter Ambühl-Stamm lächelt. Der 67-jährige Kinder- und Jugendarzt ist bei unserem Treffen kurz vor dem Ende seiner Praxistätigkeit. Noch drei Wochen. Dann ist Schluss. Er wirft eine Akte in den Papierkorb. Alle Patientenunterlagen, die älter sind als zehn Jahre, werden entsorgt. Noch einmal geht sein ganzes Praxisleben durch seine Hände. Dieter Ambühl räumt auf.
29 Jahre lang spielten Kinder und Jugendliche die Hauptrolle in seinem Arbeitsleben. Und auch daneben. Dieter Ambühl ist Arzt, Autor und Vater von drei Kindern. Die Entwicklungspädiatrie ist seine Leidenschaft.
Er lässt einen grossen Teil seines Lebens zurück. Doch er tue es mit einem guten Gefühl, sagt er. Denn im Gegensatz zu vielen seiner Berufskollegen hat er einen Nachfolger gefunden. Seinen Part in der Gemeinschaftspraxisin Zofingen hat der deutsche Kinderarzt Carsten Simon übernommen. Für Ambühls Patienten geht es also nahtlos weiter. Keine Selbstverständlichkeit.
Für ein paar Stunden
Dieter Ambühl bekommt Geschenke. Ein Foto. Und eine Flasche Wein. Der Patient, der ihm diese Geschenke überreicht, schüttelt ihm die Hand und lächelt. Er ist ein 26-jähriger Mann, geboren mit dem Downsyndrom und Zeit seines Lebens Patient beim Zofinger Arzt. Dieter Ambühl ist gerührt.
Der Abschied gilt. Einzig etwa 20 seiner Langzeitpatienten wird er weiter betreuen – langjährige ADHS-Patienten, die derzeit in der Ausbildung stehen. Zweimal pro Jahr wird der Arzt wieder zurückkehren, in seine ehemaligen Praxisräume, die ihm dafür zur Verfügung gestellt werden. Und dann wird er für ein paar Stunden wieder das machen, was er sein halbes Leben lang getan hat.
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