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«Allein unter Frauen»

Als Vater ist man oft allein unter Müttern. Ihnen daran die Schuld zu geben, ist allerdings nicht fair.

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«Allein unter Frauen»

Als Vater ist man oft allein unter Müttern. Ihnen daran die Schuld zu geben, ist allerdings nicht fair.

Seit ich Kinder habe, gerate ich immer wieder in diese Situation – auf Elternabenden, bei Kindergeburtstagen, in Wartezimmern und derlei mehr: Ein ums andere Mal bin ich der einzige Mann unter Frauen. Ein deplatziert wirkender Vater in einer Müttergruppe. Ein schräger Vogel, mit dessen Gegenwart frau nichts so recht anzufangen weiss. Väter übrigens oft noch weniger. Wenn ich eines meiner Kinder zu einer Verabredung fahre, wechsle ich meistens noch ein paar Worte mit den Eltern ihrer Freunde. Genauer gesagt rede ich mit den Müttern, während sich die Väter merkwürdig im Hintergrund halten, so als wäre ihnen die Sache nicht geheuer, weil zu vermuten ist, dass ihre Partnerinnen und ich im Wohneingangsbereich irgendwelche Drogengeschäfte abwickeln.

Man könnte meinen, dass mich das gehörig nervt. Dieser Exotenstatus unter Müttern, die vielen Gespräche über Kinder, Erziehung und Beziehungsstress. Das Gegenteil ist der Fall. Ich mag Menschen, die Verantwortung für Kinder übernehmen. Welches Geschlecht sie haben, ist mir herzlich egal. Ich rede gern über solche Themen. Gerüchten zufolge schreibe ich sogar darüber. Aber eine Sache geht mir wirklich auf den Sack. Und zwar dieses ständige Frauenbashing. Seit einiger Zeit ist es ja schwer in Mode, eine verweiblichte Gesellschaft zu diagnostizieren. Mit verweichlichten Jungs als Bildungsverlierern, die keine Männer zum Vorbild haben und nur von Frauen erzogen werden. Mit Männern, die sich gerne von anderen Männern beraten lassen wollen und dann sind da keine.

Nicht, dass wir uns missverstehen: Ich finde, dass sich mehr Männer in Erziehung, Pflege, Haushalt etc. einbringen sollten. Aber ihr Fehlen ausgerechnet denen vorzuwerfen, die sich seit Jahr und Tag auch unter schlechten und undankbaren Bedingungen einbringen, ist unverfrorener Unfug. Die Abwesenheit von Männern an den neuralgischen Punkten der Kindesentwicklung gerade Frauen anzukreiden, die dort präsent sind, markiert eine doppelte Abwertung. Erst ist es «das bisschen Haushalt» und die paar Jahre mit den Kindern und dann ist es auch noch ihre Schuld, wenn sie zu dieser Zeit die massgebliche Rolle gespielt haben.

Wie wäre es zur Abwechslung mal mit gemeinschaftlicher Verantwortung statt Schuldzuweisung? Und wo wir schon dabei sind, könnten wir zu diesem Zweck gleich eine Gesellschaft realisieren, die das ermöglicht und nicht bloss stur nach Geschlechterklischees unflexible Rollen verteilt. Dann wären wir tatsächlich nicht mehr so allein. Egal ob unter Frauen oder Männern.

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Blogger Nils Pickert

Blogger Nils Pickert

Nils Pickert (1979), geboren in Ostberlin, nach dem Mauerfall mit einer waschechten Kreuzbergerin angebändelt. Gegenwärtig 4 Kinder: Emma (12), Emil (10), Theo (2½) und Maja (bald 1). Arbeitet als freier Journalist für diverse Medien und als Weltverbesserer bei dem Verein Pinkstinks, der sich unter anderem gegen Sexismus in der Werbung engagiert. Wurde von der «Weltwoche» mal als «maximal emanzipierter Mann» beleidigt, findet aber, dass ihm der Titel steht. Bloggt für «wir eltern» über Alltag mit Kindern, gleichberechtigtes Familienleben, neue Väter, Elternbeziehungen, Erziehungswahnsinn.
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