Kinder spielen fürs Leben gerne. Zum Glück. Denn nichts ist für die kindliche Entwicklung wichtiger als das Spiel. Sieben bis acht Stunden pro Tag sollten Jungen und Mädchen bis zum 6. Lebensjahr gespielt haben, betonen Wissenschaftler. Spiel als Fulltime-Job also.
Doch obwohl das Phänomen Spiel nicht vom Aussterben bedroht ist, die Musse, die dafür eingeräumt wird, ist es. Immer häufiger kommen Eltern Zweifel: Ist dieses Vertändeln des Tages nicht eigentlich verschwendete Zeit, die gescheiter für gezielte Arbeit an der Zukunft genutzt werden könnte?
Spielerisch lernen erscheint derzeit als der cleverste Trick, alles unter einen Hut zu kriegen. «Irrtum», findet Rainer Korte, Professor für Spieltheorie an der Universität Dortmund: «Das macht doch die armen Kinder völlig mürbe, wenn sie jetzt auch noch zu Hause schulisch fertig gemacht werden. Mit dem Spiel soll man kein falsches Spiel treiben.»
Lernen und Forschen sind ein Spiel
Pauken zu seiner Zeit, Spielen zu seiner Zeit. Gelernt wird bei beidem. Wenn auch beim Spielen lustbetonter, freiwillig, ungezielt – aber hocheffizient und nachhaltig. Oder wie es der dänische Pädagoge Jesper Juuls sagt: «Erwachsene sind übereingekommen, das Lernen und Forschen eines Kindes als ‹Spiel› zu bezeichnen.»
Ein paar Beispiele zeigen, was die Kinder im Spiel alles lernen und was sie sonst später als Erwachsene in teuren Kursen zu erwerben versuchen müssten – mit viel weniger Spass.
Fangis
Lerneffekt: Raumwahrnehmung, Beweglichkeit, Gleichgewicht, richtiges Fallen, Freude an der Bewegung, Sportlichkeit, Sicherheit, Selbstbewusstsein, Körpergefühl.
Händeklatschspiel
Lerneffekt: Rhythmusgefühl, Koordinationsfähigkeit, Gespür für Sprachmelodien und Reime, Toleranz vermeintlich Sinnlosem gegenüber,
Kooperationsfähigkeit, Spass am Quatschmachen.
Versteckspiel
Lerneffekt: Strategisches Planen, Ausdauer, Aushalten von Ungewissheit und zeitweiligem Alleinsein, Umgang mit Spannung, sich über längere Zeit ruhig verhalten, Raumwahrnehmung.
Quiz, Europareise, Trivial Pursuit …
Lerneffekt: Verlieren können, sich mit Anstand über einen Sieg freuen, Erwerb der wichtigsten Hauptstadtnamen, Toleranz gegenüber Mitspielern, die vermuten, Troja sei von «Kommissar Rex» entdeckt worden, wissen, was ein Daktylus ist, Geduld.
Mensch-ärgere-dich-nicht
Lerneffekt: Gemeinsam ist es lustiger, Regeln müssen eingehalten werden, es gibt Glück und es gibt Pech. Letzteres berechtigt nicht dazu, andere zu hauen. Auf Glückssträhnen gibt es keinen Rechtsanspruch.
Puppenspiel
Lerneffekt: Sprachkompetenz, Einfühlungsvermögen, Geschlechterrollen übernehmen und eigenständig gestalten, Sozialkompetenz, eigene Erlebnisse verarbeiten, pflegerisches Verhalten üben, Fantasie, Gefühle ausdrücken können.
Computerspiele, Playstation und Co.
Lerneffekt: Feinmotorik, Geschicklichkeit, Geschwindigkeit, Abbau von Technikscheu, Computerfertigkeiten, Konzentration, Ausdauer, englische Vokabeln.
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