Nach knapp sechs Monaten Babypause steht er vor der Tür: mein erster Arbeitstag. Ein komisches Gefühl, denn ich habe mich an den Alltag mit dem kleinen Leben gewöhnt und geniesse die Zeit mit unserer Tochter in vollen Zügen. Und doch, irgendwie freue ich mich auch ein wenig darauf, denn mein Job als Lehrerin ist mir mehr als nur Arbeit, es ist meine Berufung.
Ihr kennt die Gretchenfrage, wenn Nachwuchs unterwegs ist: wer arbeitet wie viel, wenn das Baby da ist? Bei dieser Frage können es junge Familien keinem Recht machen. Arbeitet eine Mutter bald nach der Geburt im Vollzeitjob weiter, ist sie eine Rabenmutter. Arbeitet sie Teilzeit, ist sie für den Arbeitgeber uninteressant, weil kaum da und so weiter. Arbeitet sie gar nicht, ist sie faul und lässt sich vom Mann aushalten. Arbeitet ein Vater Vollzeit nach der Geburt weiter, interessiert er sich zu wenig für seine Kinder. Arbeitet er in einem hohen Pensum Teilzeit weiter und hat einen Papitag frei, mimt er den Alibi-Vater. Entscheidet er sich, für Kind und Kegel zu sorgen und den Haushalt zu schmeissen, ist er ein Weichei. Ja was denn nun?